Für Verbraucher
Für Unternehmen

News 

Stalkerware aufspüren und Smartphone-Spionage verhindern

Besonders häufig sind Frauen von Smartphone-Spionage und dem illegalen Aufspielen von Stalkerware betroffen: Zum Weltfrauentag gibt die Koalition gegen Stalkerware deshalb Tipps zum Vorbeugen und Aufspüren entsprechender Programme.
Frau liest auf dem Smartphone Stalkerware aufspüren und Smartphone-Spionage verhindern
©

Foto: ROBIN WORRALL auf Unsplash

Berlin, 08.03.2020 – Das Smartphone ist heutzutage fast immer dabei. Dadurch haben Stalker mit Spionage-Apps leichtes Spiel. Besonders häufig sind Frauen betroffen. DsiN-Mitglied Kaspersky verrät, wie User sich im Vorfeld schützen oder digitale Wanzen auf dem Handy identifizieren können.

Durch so genannte Stalkerware erhält ein Täter Zugang zu allem, was auf dem Smartphone des Opfers passiert. Ohne Wissen oder Zustimmung des Geräteinhabers können so Nachrichten, Fotos und Videos sowie der Standortverlauf einfach ausgelesen werden. 

Viele Spionage-Apps fordern umfangreiche Systemrechte auf dem Smartphone des Opfers ein – teilweise sogar einen Root-Zugriff, der eine komplette Fernsteuerung des Gerätes ermöglicht. Darüber hinaus wird meist auch die Deaktivierung installierter Schutzlösungen ausgelöst, wodurch die Apps oft unentdeckt bleiben.

Deutsche spionieren europaweit am meisten

Laut einer aktuellen Analyse der Sicherheitsexperten von Kaspersky wurden 2019 weltweit insgesamt 67.500 mobile Nutzer*innen mit Hilfe von Stalkerware attackiert. Deutschland steht mit einem Zuwachs von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr im weltweiten Vergleich an dritter Stelle – in Europa sogar an erster.

„Stalking durch Ex-Freunde, Bekannte oder Familienangehörige ist kein neues Phänomen.“ so Dr. Michael Littger vom Verein Deutschland sicher im Netz, „Aber angesichts dieser zunehmenden Verbreitung sollte heute jeder wissen, wie man sich in solchen Fällen richtig verhält. Deutschland sicher im Netz bietet hierfür konkrete Hilfestellungen an.“

Spionage-App auf dem Handy? Das sind die Warnzeichen

Einem digitalen Stalker geht es um Macht und Kontrolle. Die häufigsten Opfer sind Frauen, die Täter meist Partner oder Ex-Partner. Deshalb gibt die Koalition gegen Stalkerware zum Weltfrauentages am 8. März wichtige Tipps zum Vorbeugen oder Aufspüren von Handy-Spionage-Apps. Die Koaltion wird von Unternehmen wie Kaspersky und G DATA (beides DsiN-Mitglieder) getragen. Folgende Warnzeichen deuten auf Stalkerware hin: 

  1. Datenverbrauch ist gestiegen
    Stalker-Apps übertragen im Hintergrund Daten. Wenn also ein plötzlicher Anstieg des Verbrauchs entdeckt wird, ist dies ein mögliches Anzeichen für Handy-Spionage
                                                                          
  2. Smartphone langsam, Akkuleistung sinkt
    Nicht nur der Datenverbrauch wird von den Hintergrundaktivitäten beeinflusst, sondern auch die Leistung des Handys. Wenn ein Gerät plötzlich auffallend langsam wird oder ständig aufgeladen werden muss, könnt dies auf Stalkerware hindeuten.
                                                                          
  3. Unbekannte Apps
    Wer bei regelmäßigen Aufräum-Aktionen im eigenen Smartphone über Apps stolpert, die er nicht selbst installiert hat, könnte Opfer einer Stalkerware-Attacke sein.
                                                                          
  4. Hintergrundgeräusche beim Telefonieren
    Wiederkehrende Hintergrundgeräusche, die Telefonierende sich nicht erklären können, deuten eventuell auf ein Abhören oder Aufzeichnen von Telefonaten hin. 
                                                              
  5. Jemand weiß zuviel
    Kommt es häufiger vor, dass Bekannte, Freunde oder (Ex-)Partner mehr wissen, als sie eigentlich sollten? Dann könnte jemand eine digitale Wanze im Smartphone installiert haben.
     

Frau hält rotes Smartphone in der Hand

Erste Maßnahmen bei einem Stalkerware-Verdacht: 

  1. Welche Apps sind auf dem Telefon und was tun sie?
    Prüfen Sie alle Apps auf Ihrem Endgerät – Welche Anwendungen nehmen wie viele Ressourcen in Anspruch? Googeln Sie im Zweifel die Namen der Apps.
     
  2. Virenscanner einschalten
    Auch wenn manche Schadprogramme klüger sind als die gängigen Virenscanner, sollten Sie nichts unversucht lassen. Stellen Sie sicher, dass Ihr Virenscanner aktiviert ist und führen Sie einen Scan durch.
     
  3. Stalkerware nicht einfach löschen
    Wenn Sie die Stalkerware eigenständig löschen, bekommt der Täter dies mit und ist vorgewarnt. Die Webseiten Polizei-Beratung.de oder StopStalkerware der Koalition gegen Stalkerware bieten erste Hilfestellung und Kontakte zu Anlaufstellen. Wenn Sie dennoch auf eigene Faust gegen das Cyberstalking vorgehen wollen, empfiehlt sich ein Zurücksetzen aller Geräte auf die Werkseinstellungen. Die Anschaffung neuer Geräte ist die sicherste Methode.
     
  4. Passwörter ändern
    Bei einem konkreten Stalking-Verdacht ist es schwierig, das Ausmaß der Aktivitäten richtig einzuschätzen. Um es dem Täter so schwer wie möglich zu machen, ändern Sie am besten Ihre Passwörter. Nutzen Sie hierbei sichere Passwörter, idealerweise richten Sie eine Zweifaktor-Authentifizierung ein.
     
  5. Geheime E-Mail Adresse
    Erwägen Sie die Erstellung einer neuen, nur Ihnen bekannten E-Mail-Adresse und verknüpfen Sie Ihre wichtigsten Konten mit dieser.
     
  6. Kamerazugriff einschränken
    Schalten Sie die Berechtigungen für alle Anwendungen aus, die keinen Zugriff auf Ihre Webcam benötigen.
     
  7. Wegwerfhandy besorgen
    Erwägen Sie, sich für die Zeit Ihrer Recherchen ein so genanntes “Burner Phone” zu besorgen, mit dem Sie vertrauliche Dinge erledigen. 
     
  8. Verdächtige Person meiden und melden
    Generell sind Sie gut beraten, bei jeder Form von Stalking oder Belästigung im Internet die „IBM-Regel“ anzuwenden: Ignorieren, Blockieren, Melden.
     

Stalkerware-Attacken vorbeugen: So geht’s: 

Halten Sie sich an folgende Sicherheitsregeln, um Ihre Geräte in Zukunft frei von Spionage-Software zu halten:                                                       

  1. App-Installationen aus unbekannten Quellen blockieren
    In den Einstellungen des eigenen Smartphones kann die Installation von Apps unbekannter Hersteller blockiert werden. Deinstallieren Sie auch regelmäßig Apps, die Sie nicht benötigen.
                                                                  
  2. Passwörter müssen stark und geheim sein
    Passwörter sollten selbstverständlich niemals weitergegeben werden – auch nicht an Familienangehörige oder Vertrauenspersonen. Zum Erstellen sicherer Passwörter können Sie die DsiN-Passwortkarte nutzen.
                                                                          
  3. Vorsicht mit Datei-Anhängen
    Unbekannte Dateien sollten auf persönlichen Endgeräten nicht geöffnet oder gar gespeichert werden. Im Zweifel lieber noch einmal telefonisch beim Absender nachfragen.
                                                                          
  4. Sie haben einen Verdacht - Sicherheitseinstellungen ändern!
    Wenn Sie den Verdacht eines ungewollten Zugriffs auf Ihr Handy haben, , ändern Sie umgehend Ihre Sicherheitseinstellungen auf allen Endgeräten, damit ein Dritter nicht auf persönliche Daten zugreifen kann.
     
  5. Physischer Geräteschutz und 2-Faktor-Authentifizierung
    Stellen Sie sicher, dass Ihre mobilen Geräte über PIN-Codes, Biometrie oder sichere Muster gesperrt sind und aktivieren Sie die Zwei-Faktor-Authentifizierung in den Sicherheitseinstellungen
     
  6. Updates nicht vergessen
    Stellen Sie sicher, dass das Betriebssystem und alle vertrauenswürdigen Apps auf Ihrem Gerät auf dem neuesten Stand sind. Machen Sie regelmäßig den DsiN-Computercheck, um veraltete Software aufzuspüren.
     
  7. Sicherheitsprogramme verwenden
    Auch wenn manche Spionage-Programme sich regelrecht unsichtbar machen können: Verwenden Sie immer eine bekannte, zuverlässige Sicherheitslösung, die ihre Nutzer alarmiert, wenn solche Programme installiert werden. 

Bildrechte: freestocks auf Unsplash

Deutschland sicher im Netz
Jetzt engagieren und Menschen aufklären
Jetzt bei DsiN mitmachen